Bahnhofsvorplatz: Investor will spätestens im Sommer starten

Investor will spätestens im Sommer starten

Der Bahnhofsvorplatz ist eine unansehnliche Brache, seitdem dort alles
abgeräumt wurde, um Platz für zwei Neubauten zu schaffen. In Gang gekommen
ist bisher allerdings nicht viel. Jetzt hat sich erstmals der Investor
persönlich zu Wort gemeldet.

Bremen.Der Bauzaun auf dem Bahnhofsvorplatz hat Rost angesetzt, er steht
dort seit einem Dreivierteljahr, ohne dass an der Stelle irgendetwas
Nennenswertes passiert wäre. Ein Zaun, aber wofür? Baustellensicherheit,
sagen die Planer, wir müssen das tun, es geht nicht anders. Nur sollten
dann vielleicht mal die Bagger anrollen. Oder tun sie es bald?
Das erste Mal, seitdem der umstrittene Gebäudekomplex zwischen Bahnhof und
Hochstraße geplant wird, meldet sich der Investor persönlich zu Wort:
Achim Griese von der Hamburger Achim Griese Treuhandgesellschaft, der für
das Projekt knapp 100 Millionen Euro aufbringt und nun verspricht,
spätestens im Sommer mit dem Bau zu beginnen.
Der Mann kommt kernig rüber, ein Sportler, braun gebrannt, wache Augen. Er
spielt Golf, geht auf die Jagd und segelt gerne. Vor 30 Jahren hat Griese
bei den Olympischen Spielen in Los Angeles mit seinem Boot die
Silbermedaille gewonnen. Wasser ist sein Element, am Wasser ist er groß
geworden – in Berne in der Wesermarsch, der Vater war Seelotse. Segeln
gehörte damals dazu.
Hart am Wind – so ist der 61-Jährige zurzeit auch in Bremen unterwegs. Es
bläst, und zwar von vorn.

Harsche Kritik am Baustil
Zunächst entspann sich vor gut zwei Jahren, als die Stadt das sogenannte
Investorengrundstück für knapp sieben Millionen Euro an Griese verkaufte,
ein heftiger Streit über die geplanten Baukörper, der bis heute anhält. Zu
groß und mächtig, hieß es. Zu wenig öffentlicher Raum, der übrig bleibt.
Griese gab dem Druck nach und plante um. „Dabei wollten wir doch nur das
bauen, was die Stadt zuvor in einem Architektenwettbewerb als besten
Entwurf ausgewählt hatte“, sagt der Unternehmer.
Die beiden Gebäude sind im Grunde gleich geblieben, verändert wurde aber
die Passage dazwischen, sie ist jetzt nach oben hin offen. Wer nicht will,
muss hier also nirgendwo eintreten. Am Baustil hat das freilich nichts
verändert. Die strengen Raster des Architekten Max Dudler, nach dessen
Entwürfen gerade das Haus an der Ecke Herdentorsteinweg/Bahnhofstraße
gebaut wird, stoßen weiterhin auf harsche Kritik. Oft ist von unpassender
Monumentalität die Rede, und manchen behagt schon nicht, dass an dem Ort
überhaupt gebaut wird. Der schöne Platz, heißt es dann.
Arnd Paetz, der Griese an diesem Tag nach Bremen begleitet hat und das
Bauprojekt am Bahnhof leitet, kann solche Einwände nicht nachvollziehen:
„Erstens bauen wir nicht höher als in der Nachbarschaft gebaut wurde. Und
zweitens wird so der Platz überhaupt erst wieder geschaffen. Wir heilen da
was.“
Ein Investor, der sich für Baupläne und eine Architektur rechtfertigen
muss, die nicht von ihm kommen, die er gleichwohl gut findet. Der,
zweitens, im Untergrund des Bauplatzes eine Gasleitung entdeckt, die in
keinem Plan eingezeichnet war und jetzt mit großem Aufwand umgelegt werden
muss. Und der, drittens, zusammen mit der Stadt einem hartnäckigen
Verdacht ausgesetzt ist. Dass nämlich gekungelt wurde: Du baust und
befreist uns von einem Problem, und wir ziehen dafür bei dir ein.
„Absoluter Quatsch“, sagt Paetz.
Fakt ist, dass die Stadt große Schwierigkeiten hatte, die 5600
Quadratmeter große Fläche loszuwerden. 15 Jahre gingen ins Land, bis das
Grundstück endlich an einen Investor, die Achim Griese
Treuhandgesellschaft, verkauft werden konnte. Fakt ist auch, dass die
Stadt gerade Büroflächen sucht. Die Bau- und Umweltbehörde muss aus dem
Lloydhof ausziehen, weil dort das City-Center gebaut werden soll.
„Als wir gekauft haben, war aber noch gar nicht klar, dass der Lloydhof
abgerissen wird“, sagt Paetz, „ich verstehe die Diskussion nicht.“

Stadt als Mieterin?
Rund ein Drittel der 35 000 Quadratmeter großen Nutzfläche in den beiden
Gebäuden ist für Büros und Dienstleistungen vorgesehen. Nach Darstellung
von Paetz hatte die Stadt vor anderthalb Jahren als Mietinteressentin
angefragt. Es seien daraufhin detaillierte Pläne entwickelt worden, die
eine Fläche von fast 6000 Quadratmetern umfassten. Seit geraumer Zeit gebe
es allerdings keine Signale mehr, ob die Bau- und Umweltbehörde
tatsächlich einziehen wolle.
Achim Griese bleibt vorsichtig, wenn es bei seinem Vorhaben um das
Verhalten der Stadt geht. Er will es sich mit niemandem verderben. Ganz
verhehlen kann er seinen Ärger aber nicht: „Ich würde mir wünschen, dass
unser Projekt in ein besseres Licht gestellt wird.“

Zwei Hotels, Discounter und gastronomische Betriebe
Die Achim Griese Treuhandgesellschaft gibt es seit 28 Jahren. Sie agiert
bundesweit, vornehmlich aber im Norden und Osten und entwickelt
Immobilien, in der Mehrheit für den Einzelhandel. In Bremen gehört dem
Unternehmen ein großes Geschäftshaus an der Martinistraße; in Bremerhaven
ein Wohn- und Geschäftshaus an der Bürgermeister-Smidt-Straße. Zuletzt hat
Griese zwei große Einkaufszentren in Ulm und in Essen entwickelt. Das
Projekt auf dem Bahnhofsvorplatz ist mit einem Volumen von fast 100
Millionen Euro nach eigenen Angaben das bislang größte des Unternehmens.
Fest unter Vertrag sind für die beiden Gebäude unter anderem zwei Hotels
der Arcor-Kette – Ibis Budget und Ibis Drei Sterne plus –, ein Rewe-Markt,
der Discounter Lidl, ein Reisebüro, zwei gastronomische Betriebe, ein
Bäcker, die Geschäftsstelle der BSAG und eine Anlaufstelle der Bremer
Touristikzentrale. Die Tiefgarage mit ihren 320 Stellplätzen wird von der
Brepark betrieben.

Von Jürgen Hinrichs
Weser Kurier 12.4.2014